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27.03.2017, 20:50 Uhr

Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblattes, bei der MIT

Jahresempfang des MIT Kreisverbandes Warendorf

Es steht nicht gut um die Europäische Union und die transatlantischen Beziehungen. Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblattes, konnte zu beidem beim MIT-Jahresempfang am Sonntag im Ahlener Scheunencafé Wibbelt mit ganz aktuellen Nachrichten aufwarten.

Sven Afhüppe, Chefredakteur Handelsblatt (Foto Hartleb)
Erst am Vornachmittag war er mit dem Begleittross der Bundeskanzlerin aus Washington zurückgekehrt. Zunächst sei es für viele überraschend, dass ein Wahlsieger auch das umsetzen will, „was er angekündigt hat“, meinte Afhüppe mit einem Anflug von Ironie. Aber auch ein US-Präsident, dem das enorme US-Handelsdefizit seit langem ein Dorn im Auge ist, könne nicht die Augen davor verschließen, dass große Firmen wie Apple in China fertigen lassen. Strafzölle würden also auch die eigenen Unternehmen treffen. Im Übrigen exportiere BMW in den USA mehr Autos als GM und Ford zusammen. „Einen Brexit vom Brexit wird es nicht geben“, prognostizierte Afhüppe zum eigentlichen Thema des Jahresempfangs der CDU-Mittelständler, die Susanne Block als Kreisvorsitzende zuvor begrüßt hatte. Die Folgen des Austrittsbeschlusses der Briten – mit dem Kündigungsschreiben rechnet Afhüppe in Kürze – seien noch nicht absehbar. In den bevorstehenden zweijährigen Verhandlungen müsste London 20 000 Gesetze in nationales Recht umsetzen. Sollte es auf Grund des Brexit zu einer Rezession in Großbritannien kommen, könnte dadurch die deutsche Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent schrumpfen. Bislang hielten sich die Auswirkungen noch in Grenzen, führte der Journalist aus; lediglich das Pfund habe erheblich an Wert verloren, was sich positiv auf den Tourismus auswirke, aber die Importe verteure. Großbritannien sei nach den USA und Frankreich der drittgrößte Handelspartner und deutsche Unternehmen hätten in Großbritannien in den vergangenen Jahren 121 Milliarden Euro investiert. Negative Folgen erwartet Afhüppe explizit für den Finanzplatz London. So habe die Bank of America angekündigt, ihren Europa-Sitz nach Irland verlegen zu wollen. Allein die Deutsche Bank beschäftige in England 8000 Mitarbeiter. Noch nicht abschätzbar seien die Konsequenzen, wenn sich die Schotten von Großbritannien verabschieden sollten. „Das Europäische Projekt ist in Gefahr“, bejahte der Referent. Um keine Nachahmer wie möglicherweise Polen oder Ungarn zu ermutigen, lehnten Juncker, Merkel und andere Zugeständnisse an London und jede Art von Rosenpickerei ab. Bericht Dierk Hartleb